Yvette Jasoline und die Dreyfus Affäre

30 Jan

Der Name Dreyfus hat einen besonderen Klang im Frankreich der Dritten Republik. Ein Offizier jüdischen Glaubens wird des Landesverrats beschuldigt. Frankreich ist sich uneins, ist es die Religion oder ist es das Verbrechen, oder ist es eben beides. Am Vorabend der Säkularisation beginnt die große Krise am 15.10.1894 wird Alfred Dreyfus verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen des französischen Generalstabs an ausländische Mächte geliefert zu haben. Yvette Jasoline ist mit Lucie und Alfred Dreyfus „flüchtig“ bekannt.

„Paris, 8. November 1894“  Es gibt eine Sache, die mich etwas betrübt, obwohl Victor und ich in keinster Weise betroffen sind. Im Figaro und sicherlich auch in anderen Zeitungen im ganzen Land, wird jetzt der Fall des Capitaines Dreyfus bekannt. Ein französischer Offizier wird des Hochverrats beschuldigt und seine Schuld ist anscheinend schon erwiesen. Nie hätte ich gedacht, einen Verbrecher einmal persönlich zu kennen und jetzt ist es Tatsache. Ich wurde Madame Lucie Dreyfus im Mai auf dem Militärball vorgestellt, ich habe mich mit ihr unterhalten und später kam auch ihr Mann, eben jener Capitaine Alfred Dreyfus, dazu und ich habe ein paar Worte mit ihm gewechselt. Bis vor wenigen Tagen war es etwas ganz normales, etwas, das ich schon fast vergessen hatte. Wie viele kurze Gespräche habe ich auf dem Ball geführt, mit den Damen und auch mit einigen der Offiziere.

Jetzt rückt diese Begegnung für mich in ein anderes Licht. Capitaine Alfred Dreyfus ist von der Republik Frankreich angeklagt und nach dem, was sich Paris erzählt, ist er wohl auch schuldig. Victor äußert sich nicht dazu, er hat mir nicht einmal richtig geantwortet, als ich ihn fragte wie gut er diesen Mann kenne. Er kennt ihn als Offizier, weniger als Kamerad und schon gar nicht persönlich, nicht sehr persönlich, wie Victor sich ausdrückte. Die Anarchisten sind unter sich und die Gesellschaft erwartet nichts anderes von ihnen, als dass sie Anarchisten sind, aber der französische Offizier muss bedingungslos zu Frankreich stehen. Das sind die Werte, die ich auch von Victor gelernt habe, die ich selbst durchlitten habe und auf die ich als Offiziersfrau genauso stolz bin wie Victor. Insgeheim hoffe ich, dass sich die Angelegenheit um Capitaine Dreyfus zu seinen Gunsten klärt, aber es sieht nicht gut aus. Lucie Dreyfus tut mir so leid, sie war damals im Mai so zuvorkommend und herzlich. Der Zufall wollte es, dass wir uns seither nicht mehr begegnet sind, jetzt scheint es Fügung zu sein, denn was würde es heute für Victor bedeuten, wenn ich eine Freundschaft zu der Frau eines Landesverräters hätte.“ gez. Yvette Jasoline.

Die gesamte Geschichte der Dreyfus-Affäre soll an dieser Stelle nicht beschrieben werden. Es gibt hierzu eine große Anzahl Literatur. Für eine schnelle, aber dennoch gründliche Übersicht zu diesem Thema findet sich unter Wikipedia ein sehr guter Artikel, bei dem auch die Querverweise lohnen. Alfred Dreyfus war von 1895 bis 1899 auf der Teufelsinsel vor der Küste von Französisch-Guayana verbannt. Ein Name sei noch erwähnt, Émile Zola. Mit seinem offenen Brief „J’accuse …! (Ich klage an…!)“, der am 13. Januar 1898 in der Tageszeitung L’Aurore erschien, war er maßgeblich daran beteiligt, den Fall Dreyfus noch einmal vor die Gerichte zu bringen. Eine viel größere Rolle aber, spiele immer Lucie Dreyfus, die unermüdlich für ihren Mann gekämpft hat. Yvette Jasoline fühlte sich mit dieser Frau verbunden, obwohl sie es ihr nie sagen konnte.Yvette Jasoline hat den Fall Dreyfus in den Jahren 1895 bis 1901 sehr aufmerksam über die Zeitungen verfolgt. Vor allem das Petit Journal wurde sehr gerne von ihr gelesen. Alfred Dreyfus wurde 1906 rehabilitiert. Nach seinem Abschied aus der Armee im Jahre 1907 nahm er noch einmal als Reserveoffizier am Ersten Weltkrieg teil. Alfred Dreyfus starb am 12. Juli 1935. Seine Frau Lucie überlebte ihn um zehn Jahre. Die Enkelin Madeleine Levy wurde während des Zweiten Weltkriegs als Jüdin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Lucie Dreyfus überlebte den Holocaust versteckt in Paris.

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Ströme meines Ozeans (Roman)

ISBN 978-3-8476-2105-8

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Die junge Yvette folgt ihrem Mann Victor vom aufstrebenden Paris der Belle Époque ins koloniale Tahiti. Glückliche Jahre unter südlicher Sonne münden in einer Katastrophe, die das weitere Schicksal von Yvette und ihren Töchtern bestimmt. Die Lebensgeschichte der Familie Jasoline spielt eine zentrale Rolle in dem Roman »Fälschung«, dennoch erfährt der Leser nur wenig davon, was sich im Leben der Protagonisten ereignet hat. In diesem Roman begegnen dem Leser alle noch offenen Fragen, die im historischen Umfeld der noch nicht allzu fernen Vergangenheit beantwortet werden. Es wird die Geschichte der Familie Jasoline in den Jahren zwischen 1890 bis 1961 erzählt.

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Eine Antwort to “Yvette Jasoline und die Dreyfus Affäre”

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