Rue Réaumur

11 Sep

Eine Straße in Paris, die ich in „Ströme meines Ozeans“ ausgewählt habe, damit sich Yvette dort ihre Existenz aufbaut.

Die Rue Reaumur wird zwischen 1907 und 1946 zweiunddreißig Mal erwähnt.

Paris, 9. August 1907

Heute und die nächsten beiden Tage sind Thérèse und ich in Paris. Wir haben schon in der Rue Marcadet nach dem Rechten gesehen und waren auch in der Rue Réaumur, um uns die Möbelhandlung anzusehen. Wir haben uns allerdings nicht zuerkennen gegeben. Das Geschäft liegt ganz in der Nähe des Boulevard de Bonne Novelle, also in bester Lage. Der Laden macht einen sehr ordentlichen Eindruck, sehr vornehm. Hier wird eher die gut betuchte Kundschaft erwartet. Diese Atmosphäre kenne ich bereits aus einem anderen Leben, als ich bei Monsieur Rolland in seinem Juweliergeschäft gearbeitet habe.

Paris Rue Réaumur 1929

Quelle: Facebook – John d’Orbigny Immobilier

Paris, 12. Oktober 1919

Ich habe heute ganz offen mit Thérèse über meine Pläne gesprochen. Sie soll wissen, dass ich sie im Geschäft haben will, dass ich ihre Möbel verkaufen will, dass es von jetzt an dazugehören wird. Wir haben ausschließlich über den Verkauf gesprochen, nicht über die Werkstatt, was mein Glück war, denn ich habe noch immer nicht mit Monsieur Unger gesprochen. Ich will damit warten, bis Thérèse ihre Gesellenprüfung bestanden hat. Wenn sie es schafft, dann muss er doch einsehen, dass sie ihren Beruf erlernt hat. Die beiden müssen sich ja nicht von Herzen mögen, es reicht, wenn sie sich respektieren. Thérèse hat heute über ihre Vorstellungen gesprochen. Sie hat in unserem Katalog geblättert. Sie will Fotografien von ihren Möbeln machen, wir können nicht alles in die Ausstellung bringen. Es wird so vieles geben, so viele Möbel sind noch eingelagert, die sie aber auch präsentieren möchte und auch muss, damit sie Käufer findet. Ich überlege, was mit dem Katalog ist. Ich plane immer für eine Saison, die antiken Möbel aber kommen und gehen. Der Katalog müsste ständig erneuert werden. Ich bin froh, dass Thérèse sich schon so begeistert. Es ist ein erster Schritt. Ich hole sie mir zurück in die Rue Réaumur und nicht nur für die Nachmittage, sondern für ganz.

 

Paris, 3. August 1946

Wir haben etwas Wesentliches geändert, die Werkstatt ist wieder in die Rue Réaumur umgezogen. Jean ist beinahe erleichtert. Jetzt sind wir alle wieder beieinander, Marcel Jonier und ich vorne im Laden, Marie im Büro und Jean hinten in der Werkstatt. Beim Umzug hat auch Marcel Jonier geholfen, der sich sehr interessiert zeigt. Handwerklich begabt ist er allerdings nicht. Unsere Werkstatt hat er dann am Ende mit sehr viel Respekt betrachtet. Er ist aber ein guter Kaufmann, der zwar in Sachen Möbel nicht übermäßig viel beraten kann, der aber gut mit den Kunden umgeht und mir den Weg ebnet, für einen erfolgreichen und vor allem lukrativen Verkauf. Das Erstaunliche an Marcel Jonier ist nämlich, dass die Kunden, vor allem die neuen Kunden, glauben, er sei schon seit Jahrzehnten in der Möbelbranche tätig. Er gaukelt dabei aber niemandem etwas vor, die Leute bilden es sich einfach ein. Ich habe jetzt sogar etwas Zeit, mich selbst um einige Reparaturen zu kümmern und stehe vormittags oft mit Jean gemeinsam in der Werkstatt.

***

Ströme meines Ozeans

Ströme meines Ozeans

ISBN 978-3-8476-2105-8

Die junge Yvette folgt ihrem Mann Victor vom aufstrebenden Paris der Belle Époque ins koloniale Tahiti. Glückliche Jahre unter südlicher Sonne münden in einer Katastrophe, die das weitere Schicksal von Yvette und ihren Töchtern bestimmt. Die Lebensgeschichte der Familie Jasoline spielt eine zentrale Rolle in dem Roman »Fälschung«, dennoch erfährt der Leser nur wenig davon, was sich im Leben der Protagonisten ereignet hat. In diesem Roman begegnen dem Leser alle noch offenen Fragen, die im historischen Umfeld der noch nicht allzu fernen Vergangenheit beantwortet werden. Es wird die Geschichte der Familie Jasoline in den Jahren zwischen 1890 bis 1961 erzählt.

Leseprobe Tagebücher Yvette (Auszug)

Leseprobe Tagebücher Thérèse (Auszug)

Im Buchhandel als eBook

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