Automobile Welten 1894 und 1907

Im Jahre 1890 ist in den Tagebüchern von Yvette Jasoline noch nichts von der automobilen Revolution des ausgehenden 19.-Jahrhunderts erwähnt. Als Madame Jasoline allerdings im Jahre 1903, nach 8 Jahren Abwesenheit, die Metropolen Paris und London sieht, beschreibt sie, dass neben den gewohnten Droschken immer mehr dieser Automobile auf den Straßen zu sehen sind. Sie erinnert sich auch wieder an die Zieleinfahrt des Rennens Paris-Rouen, dem sie im Jahre 1894 begewohnt hat. In späteren Jahren überlegt Madame Jasolines Vater die Anschaffung eines Automobils, um den Weg von Gayton zum Liverpooler Hafenkontor schneller absolvieren zu können. Es wird sich schließlich für ein Miettaxi entschieden. Im Jahre 1907 berichtet Madame Jasoline noch einmal von einem Autorennen. Sie ist Paris, als der Itala des Prinzen Scipione Borghese und seines Beifahrers Ettore Guizzardi als erster eintrifft, nach dem sie zwei Monate zuvor in Peking gestartet waren. Erst die Tochter Thérèse wird sich in den 20-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein eigenes Automobil zulegen.

1894: Paris-Rouen

Im Juli 1894 fand in Frankreich das erste Autorennen statt. Die Zeitschrift „Le Petit Journal“ rief zu einem „Internationalen Wettbewerb für Wagen ohne Pferde“ auf. Die Strecke führte von Paris nach Rouen. Der erste Preis: 5000 Francs. 120 Fahrer wollten sich mit ihren Gefährten anmelden – schließlich wurden 21 zugelassen. Wagen mit Benzin-, Dampf-, Elektro-, Hydro- und Pressluftantrieb traten auf die 126 Kilometer lange Strecke von Paris nach Rouen an. Eigentlich sollte dieses Rennen beweisen, wie zuverlässig diese Wagen „ohne Pferde“ waren. Aber dieser Zuverlässigkeitstest entwickelte sich unter den begeisterten Anfeuerungsrufen der überraschend vielen Zuschauer schlließlich zum erste Rennen des Motorsports. Nach rund sieben Stunden kamen 15 Wagen in Rouen ins Ziel. Erster wurde das 20-PS-Dampfmobil des Grafen Emile de Dion, der aber den Sieg an seine beiden Verfolger abtreten musste: Armand Peugeot und Émile Levassor mit einem 3,5 PS- Daimler. Peugeot erreichte auf der Strecke mit seinem Viersitzer mit 565 cmÂł-V2-Motor eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,26 km/h.

Quelle: http://www.wasistwas.de/

1907: Peking-Paris

Die Idee für das Rennen stammte von der Pariser Zeitung Le Matin, die am 31. Januar 1907 eine Aufforderung veröffentlichte: „Was heute noch bewiesen werden muss, ist, dass ein Mann, solange er im Besitz eines Autos ist, alles tun und sich überall hinbegeben kann. Gibt es jemanden, der diesen Sommer eine Fahrt per Automobil von Peking nach Paris unternehmen wird?“

Barzini, Luigi, Peking-Paris im Automobil: Monsenstein & Vannerdat, Verlag F.A. Brockhaus, 1908.

Es meldeten sich vierzig Teilnehmer für das Rennen an, jedoch bewältigten letztendlich nur fünf Teams den Schiffstransfer ihrer Fahrzeuge nach Peking. Obwohl der Rennausschuss das Rennen daraufhin absagte, wurde trotzdem gestartet. Die Kraftfahrzeuge verließen am 10. Juni um 8.00 Uhr die chinesische Hauptstadt.

Für das Rennen galten keinerlei Regeln, fest stand nur, dass derjenige, der mit seinem Kraftwagen als Erster Paris erreichte, als Preis eine Magnum-Flasche von Mumm-Champagner gewinnen würde. Ohne jegliche Unterstützung durch Wegweiser oder Vorausteams führte das Rennen durch für die Fahrer völlig unbekannte Länder, in denen es häufig keine Straßen, geschweige denn verlässliches Kartenmaterial gab. Um die Fahrer überhaupt mit Treibstoff versorgen zu können, wurden Benzinfässer auf Kamelen aus Peking zu Stationen gebracht, die man entlang der Strecke einrichtete. Dort stellte man auch Fernschreiber auf, so dass in den Zeitungen jener Zeit ausführlich über das Rennen berichtet werden konnte. In jedem Automobil fuhr außerdem ein Journalist mit, der per Telegraph regelmäßig aus erster Hand vom Rennverlauf berichtete.

Das Rennen wurde zu einer Zeit abgehalten, als Autos noch ziemlich neu waren, und führte durch abgelegene Gegenden in Zentralasien, wo die Menschen motorisierte Fortbewegung größtenteils gar nicht kannten. Die Route zwischen Peking und dem Baikalsee wurde erst kurz zuvor zu Pferde angegangen. Sieger wurde der Italiener Prinz Scipione Borghese aus der Familie Borghese, der vom Journalisten Luigi Barzini begleitet wurde. Er war zuversichtlich und machte sogar einen Abstecher von Moskau nach St. Petersburg zu einem Dinner, das für das Team gehalten wurde, begab sich danach zurück nach Moskau und nahm das Rennen wieder auf. Die Veranstaltung war nicht als Rennen oder Wettbewerb geplant, wurde jedoch recht schnell zu einem solchen aufgrund seiner Pioniernatur und der technischen Überlegenheit des italienischen Autos, einem Itala 35/45 PS 7.433 cm³ Hubraum. Die Italiener erreichten Paris am 10. August, erwartet von Journalisten, Fotografen und einer großen Menschenmenge.

Gefahren der Straße: Borghese & Barzinis Itala ist durch eine Brücke gefallen

Zweiter wurde Charles Goddard auf einem Spyker, der selbst kein Geld hatte und daher andere um Treibstoff bitten und sein Auto ausleihen musste. Er kam am 30. August in der französischen Hauptstadt an. Einige der anderen Autos hatten Schwierigkeiten, Schluchten hinaufzukommen, durch Matsch, Treibsand und über Brücken zu gelangen, die nicht für Fahrzeuge konzipiert waren. Das Contal Rad blieb in der Wüste Gobi stecken und wurde nicht geborgen, wobei die Fahrer das Glück hatten, von Nomaden lebend gefunden zu werden. Barzini publizierte das Buch Peking to Paris im Jahr 1908, das mit hunderten von Bildern gefüllt war.

Wer kam sonst noch ins Ziel: Holländischer Spyker (2.), gefahren von Charles Goddard mit Jean du Taillis; dreirädriger Contal, gefahren von Auguste Pons; De Dion-Bouton, gefahren von Georges Cormier; De Dion-Bouton, gefahren von Victor Collignon.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peking_nach_Paris

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