Wie der Stein abbrach

Das Bild zeigt den Faro de Maspalomas und den Stein am umlaufenden Sims, um den es geht. Das fehlende Stück brach heraus, als Michael Stromm außen am Leuchtturm hoch geklettert ist. Und das kam so:

SAMSUNG[…] Der Draht des Blitzableiters lief im Bogen um die Rosette herum, ging dann senkrecht nach unten, verlief dabei direkt neben den  rechteckigen Fenstern, hinter denen die steinerne Wendeltreppe den Turm hinaufführte. Der Draht wurde alle zwei, drei Meter von Metallklammern am Mauerwerk gehalten und mündete in eine Steinplatte am Fuß des Leuchtturms. Der Riegel des untersten Fensters war noch immer defekt. Michael fiel es plötzlich ein. Er schaute sich um, dann schlich er vorwärts, bis an den Turm heran. Er drückte sich an die Wand, horchte auf ein Geräusch, es war nichts. Er schulterte den Karabiner und griff mit der Rechten den Draht des Blitzableiters. Er stemmte seinen rechten Fuß gegen die Wand, griff über seinen Kopf, sprang mit dem linken Fuß vom Boden ab und zog sich gleichzeitig ein Stück nach oben. Das Gewehr rutschte ihm von der Schulter. Er ließ sich wieder nach unten fallen, zog sich den Riemen des Karabiners über den Kopf und versuchte es erneut. Er schaffte die ersten Meter, hielt sich mit einer Hand am Draht des Blitzableiters fest, stemmte die Füße gegen die Turmwand und griff mit der anderen Hand ein Stück höher. Er musste zehn, zwölf Meter schaffen, aber nach zwei Metern brauchte er schon eine Pause. Er holte Atem, kletterte noch einmal zwei Meter höher. Er keuchte, die Kniegelenke schmerzten, seine Hände verkrampften sich. Die linke Hand hatte er sich schon an einem der Drahthalter aufgerissen. Das Blut machte seine Handfläche rutschig. Er wischte sie am Hemd ab. Es ging wieder. Er schaffte noch einmal drei Meter, hielt inne und sammelte neue Kraft. […]

Er setzte den Fuß auf den umlaufenden Sims und drückte sich hoch. Er hörte das Knacken, sein Fuß wäre beinahe abgerutscht. Etwas hatte sich am Sims gelöst. Michael konnte nichts sehen. Eine halbe Sekunde später hörte er wie etwas unten auf die Steine aufschlug und zersprang. Das Geräusch war nicht sehr laut. Michael kümmerte sich nicht darum, er kletterte weiter.

[…] Er war jetzt direkt unter dem Fenster, wollte sich gerade mit einem letzten Zug hochschwingen, als plötzlich innen am Fenster der Schein einer Lampe aufflackerte. Es kam jemand von oben, ging die Wendeltreppe hinunter. Das Licht der Lampe tanzte auf der Scheibe, der Lichtkegel wurde immer heller und schärfer. Michael duckte sich unter das Fenster, schob seinen Körper dichter an die Turmwand. Er hatte kaum noch Kraft sich zu halten, seine Füße drohten abzurutschen. Er blickte schräg nach oben. Ein Mann ging am Fenster vorüber, gefolgt von einem Zweiten. Sie hatten die Köpfe gesenkt, waren darauf bedacht, beim Abstieg nicht von den glatten Stufen der engen Treppe zu rutschen. Das Licht wurde matter und verschwand ganz. Michael wartete noch, atmete tief ein, biss die Zähne aufeinander. Nach zwei, drei Minuten richtete er sich wieder auf, versuchte einen besseren Halt zu finden. Die Arme schmerzten, er griff mit der rechten Hand über sich, zog, fand beinahe nicht die Kraft, schaffte es ein Stück höher, bis er den rechten Fuß auf den Fenstersims bekam. Hier hatte er mehr Halt, konnte den linken Fuß nachziehen. Er hielt sich mit einer Hand weiterhin am Draht fest, mit der anderen drückte er das Fenster auf. Es gab nicht gleich nach, er musste am Rahmen ruckeln, gegen die Scheibe drücken. Der Riegel rutsche schließlich aus der Halterung. Michael stieß das Fenster weiter auf, horchte dabei konzentriert. Die Männer waren fort. Michael schwang sich durch die Öffnung, verschloss das Fenster gleich wieder und blieb für einige Sekunden wie gebannt stehen. […]

Den Text in „fett“ habe ich aus dem Roman gestrichen, weil ich befürchten musste, dass man mir den Schaden anlasten würde, wo ich doch nicht für alles, was meine Protagonisten anstellen, verantwortlich bin. Oder doch…

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Cover-Faro-1400-Pixel.jpg

Im Buchhandel als eBook

F A R O

ISBN 978-3-8476-2103-4

Leseprobe

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